völlig blank

Mit jedem Tag meiner Wanderung durchs Leben wird mir klarer, wir sehr ich mich in all meinen bisherigen Lebensjahren hinter Masken versteckt habe.

Das war mir zum einen nicht bewusst,
und zum anderen schienen sie mir zu dienen,
sie schützten mich vor Verletzungen, (hab ich geglaubt),

doch heute,
wo alle Masken fallen,

entdecke ich, wie sehr diese Masken doch ein Gefängnis waren.

Ich habe geglaubt, in dieser so gefährlich wirkenden Welt würde ich hinter Masken sicherer sein,
wenn niemand weiß, was ich fühle, kann mich auch niemand verletzen,
wenn niemand weiß, was ich wirklich denke, kann mich auch niemand angreifen, wenn niemand weiß, wer ich wirklich bin, kann mich auch niemand ablehnen.

In einem gewissen Sinne stimmte das auch…

Und dennoch,

wenn niemand weiß, wie ich fühle, werde ich unabsichtlich verletzt, und diesen Kummer nun zudem auch noch verbergen zu wollen, zu müssen, hat sehr viel mehr geschmerzt!

Wenn niemand weiß, was ich wirklich denke, hat mein Tun, mein Denken auch keinen Einfluss auf meiner Welt, und so lebte ich schnell ein „fremdes“ Leben!

Wenn niemand weiß, wer ich wirklich bin, kann mich auch niemand lieben, und, viel schlimmer, wenn jemand sagte: „Ich liebe dich!“, dann wusste ich doch tief in mir drin, dass derjenige nicht mich liebt, sondern das Theater, dass ich ihm vorgespielt habe!

Ja, Masken sind vielleicht sicherer,
doch man lebt nicht, eigentlich vermeidet man alles, was das Leben ausmacht:

Freude,
die man mit anderen teilt,
geliebt werden und lieben,
fehlbar sein, und dennoch angenommen werden,
es wagen,
das Abenteuer Leben,
einfach mal tun, was einem gut tut,
nicht weil es Sinn macht, sondern weil es Licht ins eigene Leben bringt,
und auch mal scheitern, doch das gehört dazu,
lachen bis zum Umfallen,
im Regen tanzen,

alles, was einem den Atem raubt und auch morgen noch das innere Licht entfacht.

Ja, ich habe sogar aus der Angst vor der eigenen Verletzlichkeit aufgehört, mich zu freuen. Aus dem Gedanken heraus, wenn ich mich nicht freue, kann mich auch nichts wirklich treffen, weil ich ja von Anfang an daran gedacht hab, dass es mich auch traurig machen könnte…

So eine Verschwendung von Lebenszeit!

Mir ist klar geworden, dass das hier nicht die Generalprobe ist,
sondern dies ist mein Leben!

Und so werde ich mit jedem Tag mehr und mehr der Mensch, der ich immer sein wollte.
Ich wage das Abenteuer, mache Fehler, trete anderen auf die Füße und erzähle offen und ehrlich, woran ich glaube.

Und weißt du was?
Tatsächlich treffe ich immer mehr Menschen, die auch so denken wie ich!
Ich habe Freunde verloren, ja, doch eigentlich ist das ein Gewinn, denn die Freunde kannten mich nicht, und die, die ich jetzt habe, sind wahrhaftig, denn ich lebe meine Wahrheit und sie mögen mich so, wie ich bin!
Sie nehmen mich mit all meinen Schwächen,

und anderen vorzuleben, dass man schwach sein darf, macht anderen Mut, auch mal verletzlich zu sein:

Nichts verbindet mehr als gemeinsam erlebter Schmerz,
als eine Hand, die dir gereicht wird, wenn du am Boden bist,
als das Gefühl des Verstanden-werdens…

Wenn du das mal ausprobiert hast, weißt du, wie wundervoll dieses Gefühl ist!

Jetzt lebe ich mich jeden Tag mehr,
und wenn ich in Situationen komme, in denen ich früher einen Rückzieher hinter meine Masken gemacht haben,
dann atme ich heute tief durch,
konzentriere mich auf mein Herz,
und dann ziehe ich blank:

Ohne Maske,
wahrhaftig,
verletzlich,
und unendlich lebendig
stehe ich zu mir und
für mich ein!

Ja, es nimmt mir oft den Atem,
und dennoch:
Ab heute habe ich den Mut, ich selbst zu sein!

Ich habe die Angst enttarnt,
ich weiß, ich bin verletzlich,
und ja, ich werde auch verletzt,
aber nicht mehr als früher, sondern eher weniger,
dafür erlebe ich wahrhaftige Menschen und ich lebe wahrhaftige Beziehungen zu anderen,

ich habe mich nie mehr geliebt gefühlt in meinem Leben als heute,

und ich weiß: Schmerz ist ein Wegweiser,
und nun habe ich die Freiheit, zu gehen,
wenn Menschen oder Situationen mich verletzen, mir nicht gut tun.

Und keine Maske kann mich mehr locken,
keine Angst sperrt mich mehr ein,

ja, ich falle immer noch auf die Schnauze,
aber auch das gehört zum lebendig sein dazu…

Komm mit ins Leben,
zeig dich, wie du wirklich bist,
denn nur durch die Risse in deiner Schale kann man dein inneres Licht,
deine wahre Schönheit leuchten sehen!

Wir sind gut so, wie wir sind!
Wenn Gott gewollt hätte, dass wir anders sind, hätte er uns anders gemacht!

Lasst uns unser Licht leben,
wir sind wunderschön,

was wäre die Welt für ein dunkler Ort ohne unser Licht!

unterschrift

Caleya-pellegrina

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2 Kommentare zu völlig blank

  1. Jutta Zerkowski sagt:

    wie schön das du ohne die Masken leben kannst. Ich musste meine tragen um zu überleben. Nun sind sie da und harren fest an mir. Jedoch können sie eines nicht verdecken meine Freude am Leben und meinen Humor.
    Ich wurde geschlagen an Geist und Körper – also würde das weinen verdeckt.
    Ich wurde abgelehnt und nicht beachtet – also wurde die Wut verdeckt.
    Ich wurde abgeschoben und klein gehalten – also wurde meine Größe verdeckt.
    Ich wurde misshandelt an Seele und Körper – also wurde das Gefühl verdeckt.
    Ich sah den Tod und den Untergang – also wurde die Trauer verdeckt.

    Die Narben kann man nicht mehr sehen – zu viele Mauern darum. Sie abzubrechen kämen dem Wahnsinn sehr nahe.

    Ich gebe mich selbst bis zur Erschöpfung – um das Gefühl zu haben wertvoll zu sein. Jeder zusammenbruch scheint eine Niederlage zu sein.

    Aber ich lebe und das gerne, ich habe einen unerschütterlichen Optimismus – der mir weiterhilft den Schmerz zu ertragen.

    Doch ich lerne, lerne immer wieder – das es Menschen gibt, die ich auch hinter meine Masken schauen lasse – nur kurz – einen Augenblick.

    Jeder Tag kostet Kraft – würde er ohne Masken leichter? – ich glaube es (noch) nicht.

    • Caleya sagt:

      Liebe Jutta,
      das klingt nach harten Zeiten, und so etwas hinterlässt Spuren…Das Fiese am Masken-tragen ist, dass man erst in dem Moment, in dem man sich wirklich zeigt, erkennen kann, wie wertvoll man ist! Weil du erkannt wirst, man dich so annimmt, wie du bist und alles, was nun kommt, total ehrlich ist. Man muss nichts mehr geben, nur sich selbst.. und das genügt.. denn du bist genug, bist es immer gwesen und bist es auch heut, auch mit Maske.
      Ich freue mich, dass du den Mut findest, andere mal hinter deine Masken luschern zu lassen, dass ist der beste Weg in die Freiheit.
      Und ich, die hinter Masken sehen kann, sehe dich und deine Schönheit! Ich freue mich auf den Tag, an dem du dein Licht in voller Kraft leuchten lassen kannst, denn du bist ein Geschenk an die Welt, und du machst die Welt ein kleines bisschen heller und besser! Es ist schön, dass es dich gibt und wie schön, dass wir uns kennen gerlernt haben <3

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