Das Ende der Flucht

Ich habe gerade einen wundervollen Artikel von Tim von mymonk gelesen, den ich gern mit dir teilen möchte
Und auch meine Gedanken dazu:

„Bananen sieht man leicht an, ob sie reif sind. Bei Menschen ist das schon schwieriger. Ich habe die letzte Zeit immer wieder mal darüber nachgedacht, was persönliche Reife ausmacht, und dabei folgende Gedanken herausgeschält, guten Appetit:
Ein unreifer Mensch flieht.
Vor tiefen Beziehungen, mit ihren Abhängigkeiten und Verlustängsten; wenn Dir was zustößt, sterbe auch ich.
Vor Gesprächen, in denen die Seele nackt und verwundbar ist; ein Igel auf dem Rücken liegend.
Vor Gefühlen, die uns ins Bodenlose reißen; uns zerbrechen und neu zusammensetzen.
Vor den eigenen Bedürfnissen und vor Entscheidungen; ich kann und will so nicht mehr leben.
Vor großen Träumen und harter Arbeit; gemacht aus hundert Litern Herzblut und dem Durchhaltevermögen von Wüstenkakteen.
Vor Verantwortung; für das eigene heilige Leben und das von anderen.
Vor Problemen und vor fremder Hilfe, die wir dann manchmal einfach brauchen; ja, ich schaff‘s nicht allein.

Ein reifer Mensch flieht nicht, er steht da, er stellt sich.
Vielleicht zittern ihm die Knie, vielleicht weint und schreit er … und doch bleibt er.“

Ich finde, das ist eine gute Beschreibung,
und es hilft mir zu verstehen, was ich in letzter Zeit anders mache:
Ich habe alle Fluchten beendet und bin stehen geblieben… Ich hatte einen Höllenrespekt vor diesem Moment, (und es gibt noch genug Situationen, in denen ich echt zittrig bin),
es war mir klar, dass ich jedoch nicht immer vor allem weglaufen konnte,
und in diesem Moment habe ich gesehen,

dass ich vor mir selbst geflohen bin:

Ich bin es, die all diese Gedankenkonstrukte gebaut hat,
ich bin es, die Ängste schafft, weil ich Situationen anders haben will, als sie sind,
ich bin es, die in der Welt ihren Spiegel sieht,
ich bin es, die mich nicht so annehmen will, wie ich bin, die anderen haben mich schon längst erkannt,
ich bin es, die nach Wertschätzung, Liebe und Anerkennung strebt, und mich damit abhängig machen,
ich bin es, die sich selbst untreu ist und sich selbst anlügt,
und es ist doch so:

Wo immer ich hin gehe,
ich nehme mich selbst immer mit!

Flucht ist völlig sinnlos, denn egal, wohin ich geflohen bin,
ich werde durch meine Gedanken,
Ängste,
Vorstellungen,
und der Feigheit, mich selbst mit all meinen dunklen Seiten anzusehen,

auch dort wieder dieselben Situationen schaffen,
dieselben Gedanken denken,
dieselben Aufgaben treffen,

denn ich bin es, die dieses Echo geschaffen hat.

Seit ich das erkannt habe, bleibe ich stehen in solchen Momenten,
atme tief
und schaue…
Ich will die Wahrheit sehen, so sehr ich mir vielleicht auch alles anders wünsche,
das, was ich sehe,
ist,
so, wie es ist,
daran kann ich nichts ändern,

ich kann nur mich ändern,
meine Einstellungen,
mich von (falschen) Hoffnungen befreien,
mich erinnern, dass ich so gut bin, wie ich bin,

und dann ändert sich oft alles…

Man kann nicht vor sich selbst fliehen,
und nur man selbst kann das eigene Leben ändern.

Ich kann deshalb auch niemanden retten,
jeder ist für sich selbst verantwortlich,
das ist die Chance, für sich selbst einzustehen,
sich selbst anzunehmen und zu lieben,
das ist die Chance auf ein freies, eigenverantwortliches Leben,

tatsächlich ist es die einzige Chance, mit der man das erreichen kann.

Und ich finde, dass ist es doch wert, oder?

Bleiben wir alle stehen, schauen wir, was ist,
und die Welt ist voller mutiger, freier Menschen,

da will ich sein,

kommst du mit?

unterschrift

Caleya-pellegrina

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Ein Kommentar zu Das Ende der Flucht

  1. Timm sagt:

    „Vor großen Träumen und harter Arbeit; gemacht aus hundert Litern Herzblut und dem Durchhaltevermögen von Wüstenkakteen.“ Gut. Sehr gut!

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