Klang der Seele

Meine Pilgerreise durchs Leben geht gerade durch eine (gesundheitlich) stolperige Strecke, doch mit jedem Tag meiner Reise kann ich die Einschränkungen, die mir eine chronische Erschöpfung ohne klare Ursache bescheren, immer mehr als Geschenk ansehen und immer mehr in meinem Leben willkommen heißen.

Ich bin ein Power-Mensch, ich bin eigentlich immer am Tun und Tüddeln,
Ruhe geben war nie so meine Sache.
Ehrlich gesagt fand ich Ruhe was ziemlich langweilig….

Doch ich habe es gelernt, mein wundervoller Körper hat mich ausgebremst und mir Erfahrungen der Ruhe, Stille und Zeiten der Entspannung geschenkt, die mir zunehmend wichtiger werden.
Ich hab mich immer gefragt, warum denn Ruhe und Stille so wichtig sein sollen, dass es einen sogar krank machen kann, wenn man sich solche Zeiten nicht gönnt?

Es war für mich als Tüddel-Mensch nicht vorstellbar, dass solche Zeiten der Langsamkeit und Langeweile, die doch kein Ergebnis bringen, besser sein sollten als Zeiten, in denen ich etwas schaffe, von dem ich abends sagen kann: „Guck, das hab ich heut geschafft!“

Nun fand ich diese kleine Geschichte, die ich heute mit dir, lieber Wandergefährte, teilen will:

Ein europäischer Biologe hatte für eine Himalaja- Expedition eine Gruppe indischer Träger angeheuert.
Der Forscher war in großer Eile, denn er wollte schnell an sein Ziel kommen.
Nachdem die Gruppe den ersten großen Pass überschritten hatte, erlaubte er ihnen eine kurze Rast. Nach einigen Minuten rief er aber wieder zum Aufbruch.

Die indischen Träger blieben aber einfach auf dem Boden sitzen, als hätten sie ihn gar nicht gehört. Sie schwiegen und ihr Blick war zu Boden gerichtet.

Als der Forscher die Inder schärfer aufforderte, weiterzugehen, schauten ihn einige von ihnen verwundert an.

Schließlich sagte einer: „Wir können nicht weitergehen. Wir müssen warten, bis unsere Seelen nachgekommen sind.“

(Indische Geschichte, gefunden in:
Gelassenwerden. – Herder, 1996,
leicht überarbeitet)

Und jetzt habe ich es verstanden:

Ich brauche Zeiten der Ruhe, der Stille, damit meine Seele nachkommen kann!

Ich habe oft das Gefühl gehabt, ich sei gar nicht richtig ich selbst,
oft hätte ich mir gewünscht, ich hätte etwas nicht (so) gesagt, oder etwas anders gemacht,

nicht unbedingt, weil ich mir Gedanken machte, was andere von mir denken, nein,
sondern weil ich in solchen Momenten gegen meine eigenen Prinzipien verstieß,
mich deshalb auch nicht so wohl fühlte in meiner Haut,
irgendwie zerrissen und von außen gelenkt,

was für mich nichts anderes heißt, als mir selber untreu zu werden.

Ich war in diesen Momenten nicht im Einklang mit mir selbst,
denn meine Seele war noch unterwegs,
ich hatte schneller gehandelt, als ich fühlen konnte,
und sozusagen auf dem Weg mich selbst verloren…

Jetzt habe ich es ganz und gar verstanden,
und jetzt schaffe ich bewusst Zeiten,
in denen die Seele nachkommen kann.
Ich hab festgestellt, ich muss in diesen Zeiten nicht unbedingt meine Gedanken sortieren,
oder meine innere Landkarte überprüfen,
das sind andere Zeiten.

Ich muss mich einfach still hinsetzen oder legen,
und warten…
Warten, bis ich merke,
wie sich Frieden in mir ausbreitet,
mein Licht wieder strahlt,

ich bin bei mir angekommen,
ich bin wieder ganz und gar
da,
mit Körper,
Geist
und Seele.

Dann bin ich heil,
und kann wieder weiter gehen,
tun,
machen…

Und auch das Rennen wird weniger,
seit ich das verstanden habe,

denn es ist so viel lebendiger,
reicher und
schöner,
im Ein-Klang mit sich selbst,
mit der eigenen Seelenmelodie, zu handeln,

dass ich nun mehr darauf achte,
alles in einem Tempo zu tun,
in dem meine Seele mitkommen kann.

Es ist nicht wichtig, wohin man geht,
sondern dass man sich selbst mitnimmt,
damit es auch in jedem Moment,
bei jeden Schritt,

mein Leben bleibt.

Mögest auch du die Ruhe in deinen Schritten finden,
und im Ein-Klang mit deiner Seele wandern,

unterschrift

Caleya-pellegrina

Du bist da, wo deine Gedanken sind,
also achte darauf, dass deine Gedanken da sind,
wo du sein möchtest!
(Nachman von Bratzlaff)

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