ein Ort voller Wunder

Meine Wanderung durch das Leben hat mich an diesen wundervollen Ort geführt, an eine Schule für Kinder und Jugendliche mit Besonderheiten, die in einer „normalen“ Schule aus dem System fallen…

Nun nimmt mein Weg eine andere Richtung und ich möchte zum Abschied einmal Worte finden für etwas, was ich oft gedacht habe, jedoch versäumte, offen zu sagen.

Für dich,
meine liebe Schülerin,
mein lieber Schüler:

Ich war gern deine Lehrerin und danke dir für ein wundervolles gemeinsames Jahr an diesem wundervollen Ort.

Manchmal hatte ich den Eindruck, dass einige andere Lehrer oder Lehrerinnen diesen Ort als einen verlorenen Ort empfinden, weil sie sich des Eindrucks nicht erwehren können, dass für viele unserer Schüler und Schülerinnen dies der erste Schritt auf einem Weg abseits des „normalen“ Weges ist…

Und auch bei dir hab ich oft in deinen Augen gesehen, dass auch du diesen Ort ebenfalls als verloren ansiehst, dich verloren fühlst…

Andere Schulen wollten dich nicht,

weil du anders bist,

das heißt aber nicht schlechter, sondern du konntest den dort geltenden Regeln nicht genügen, machtest eine gemeine Erfahrung nach der anderen und bist gescheitert ….in einer Zeit, in der das Leben doch sozusagen beginnt,

und nun bist du hier, bei uns, und das frustriert dich!
Ich kann mir kaum vorstellen, was das bedeutet, wenn man von Anfang an vermittelt bekommt, man genügt nicht?
Schön ist das nicht…

und es hat Folgen,

denn nun glaubst du nicht mehr an dich selbst.

Warum auch?

Nichts hat funktioniert,
die Schule wollte dich nicht,
von deinen Eltern musstest du weg,
und auch heute noch klappt vieles nicht gut,
vieles ist anstrengender für dich als für andere Kinder und Jugendliche.

Und doch,
jeden Tag stehst du auf,
jeden Tag lachst du,
hilfst anderen,
und jeden Tag gibst du Bestes,
und vor allem,
nicht auf!

Ich bewundere deinen Mut,
und ich möchte dir heute gerne sagen,
dass du wundervoll bist,

anders, ja,
aber das heißt doch nicht schlechter,

nur weil du nicht in ein System passt, heißt das nicht,
du genügst nicht,

vielleicht genügt das System nicht?

Dass du dabei vergessen hast, an dich zu glauben, glaub ich gern,

und genau
dafür sind wir,

eure Lehrer,

da:

Ich möchte dir erzählen, wie ich es so oft erlebt habe,
wie wir, eure Lehrerinnen und Lehrer, jeden Tag nach dem Unterricht zusammen sitzen und wie viele Gedanken wir uns für euch machen.

Wir sitzen zusammen,
tragen Sorge für euch, denn ihr seid uns wichtig,
und nur weil ihr hier bei uns seid, haben wir die Zeit dafür,
an einer „normalen“ Schule würde uns dafür gar keine Zeit bleiben.

Und ich muss es dir erzählen, denn du kannst es nicht sehen, (und ich glaube, deine Lehrerinnen und Lehrer sehen auch oft gar nicht, was sie da Wundervolles tun),

aber ich sehe es jeden Tag:

Wir glauben an auch!!

Wir erzählen uns von den vielen kleinen Wundern, die wir mit euch erlebt haben,
von den wundervollen Dingen, die ihr könnt, die ihr nur nicht seht,
von den Momenten der Hoffnung,
von dem, was ihr schafft,
von eurem Mut,
von eurer Schönheit und Einzigartigkeit,
und das alles, weil ihr uns wichtig seid,
so
wie ihr seid!

Wir wollen euch nicht ändern,
wir wünschen uns nichts mehr,
als dass ihr entdeckt,
wie großartig ihr seid!

Wir glauben an euch,
solange ihr das nicht selbst tun könnt!!!

Versprochen!!

Wir wissen, dass ihr ganz besondere Menschen seid!

Nur, wer weiß, wie es ist heimatlos zu sein, kann für andere eine Heimat werden!

Nur, wer weiß, wie es sich anfühlt, keine Freunde zu haben, kann ein wirklich guter Freund sein!

Nur, wer weiß, wie es sich anfühlt, wenn man denkt, man kann gar nichts,
kann man anderen Mut machen, nicht aufzugeben!

Nur, wer weiß, wie weh es tut, wenn andere einen komisch angucken,
kann jeden lieben, egal, wer oder was er ist!

Nur, wer weiß, wie allein man sein kann,
kann anderen die Hand reichen und sie aus dem Dunkel ziehen!

*
Ich bin sicher, manchmal, da fragst du dich, warum du so ein Leben hast?

Und weil ich Gott meine Hände leihen kann, denn er hat doch keine anderen als unsere,

soll ich dir hiermit folgendes sagen:

Du hast dieses Leben, weil du ein ganz besonderer Mensch bist!
Mit dir hat Gott ganz besondere Pläne!

Du kannst vielleicht nicht so lesen, rechnen, wie andere,

aber du kannst

lieben,
verstehen,
helfen
wie kein anderer!

Denn andere wissen nicht, was du weißt!

Und für Gott und die Welt ist es wichtiger,

dass jemand für andere da ist,

als dass er schlau reden,
lesen oder schreiben kann!

Und solange du das noch nicht verstanden hast,
hat Gott dir tolle Lehrer und Lehrerinnen geschickt,

die an dich glauben,

bis du es selber kannst!

Wenn Gott gewollt hätte, dass du anders bist, dann hätte er dich anders gemacht!

Glaube nie, du bist unwichtig,
gerade dich mit deinen besonderen „unnormalen“ Fähigkeiten braucht die Welt,

sie hat es nur noch nicht verstanden!

Aber sie wird bald feststellen, dass du ihr fehlst…

Ich habe jeden Tag gesehen, wie ihr geduldig andere angenommen habt, egal, ob diese schreien oder weglaufen oder anderes tun, was niemand versteht.

Das war dir egal, du kannst jeden lieben, annehmen, so lassen, wie er ist.
Du kannst ihm ein Freund sein,
für ihn sprechen,
dich mit ihm freuen,
ihn einfach als das Wunder sehen, das er ist!

Ich danke dir, dass ich das erleben durfte, ich habe wirklich viel von dir gelernt!
Und auch der Rest der Welt wird das alles von dir lernen,
warte nur ab,

der Tag wird kommen!

Jeder von euch,
hier an diesem Ort,
egal ob Schüler, Lehrer, pädagogischer Mitarbeiter,
Sekretärin, Hausmeister, Reinigungskraft,

ist ein Wunder!

Uns so hab ich hier nur Wunder
gesehen, erlebt, erkannt,
hier,
an diesem wundervollen Ort!

Und wenn du nicht an Wunder glaubst,
dann nur, weil du vergessen hast,
dass du selbst eines bist!

Glaub an dich,
du bist gut so, wie du bist,
es ist kein Zufall, dass du so bist, wie du bist,
du bist so gewollt,
du bist ein Gedanke Gottes, und ein genialer noch dazu!

Und solange du das noch nicht kannst,
glauben wir anderen noch fester an dich!

Ich wünsche dir
ein Leben voller Wunder,

unterschrift

deine Lehrerin
Caleya-pellegrina

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