Gottes Hände

Ich traf auf meiner Pilgerreise durch das Leben auf einen Spruch, der mich sehr beschäftigte:

„Gott hat doch keine anderen Hände als unsere…“

Ich hab sofort gespürt, dass diese eine tiefe Wahrheit ist.

Ich kenne viele Menschen, die mit Gott und der Welt hadern,
die die Kirche ablehnen und gegen sie wettern,

und
doch

auf der Suche nach etwas sind, was größer ist als sie selbst,

und ich kann in ihnen die Hoffnung spüren,
dass da doch etwas, jemand ist,
der dem Ganzen einen Sinn gibt,
der zuhört
und der Sorge für jeden Menschen auf der Welt trägt.

Es ist schwer, anderen zu erzählen, wer oder was Gott ist. Gott muss man erleben, spüren.

Ich glaube, dass Gott zu jedem von uns seinen ganz besondern Weg findet. Der eine trifft ihn früher und der andere später.
Und jeder von uns erkennt Gott auf andere Weise. Und gibt ihm andere Namen.

Ich persönlich sage immer, nicht ich habe Gott gefunden, sondern Gott mich.
Er war immer da, hat immer Sorge für mich getragen und nie etwas bewertet, sondern mich einfach nur geliebt. Er hat es nicht krumm genommen, dass ich ihn nicht sehen wollte, sondern er hat einfach geduldig gewartet.
Bis ich bereit war, zu sehen.
Denn mehr ist es nicht: Man muss die Augen öffnen und in die Welt schauen.

Ich kenne so viele, die jedem Unglück, in jeder Widrigkeit den Beweis sehen, dass es Gott nicht gibt…

Mir kommt da immer diese Geschichte in den Sinn von dem Mann, der bei einer Sturmflut auf einem Dach im überschwemmten Gebiet sitzt, und Gott anfleht, ihm zu helfen…
Es treiben Bretter vorbei, doch der Mann denkt, nein, ich spring da jetzt nicht drauf, Gott wird mich erretten.
Es kommen zwei Männer auf einem Boot vorbei und wollen ihn mitnehmen, doch er sagt: Nein, Gott wird mich retten!
Da taucht ein Rettungshubschrauber auf, man will ich bergen, doch er sagt: Nein, Gott wird mich retten!
Am Ende ertrinkt der Mann, kommt in den Himmel und trifft dort Gott. Er fragt ihn, warum er ihn nicht gerettet hat? Und Gott antwortet: „ Ich hab dir Bretter, ein Boot und einen Rettungshubschrauber geschickt, was sollte ich denn noch tun?“

Ja, was soll er denn noch tun?

Ich sehe es genau anders herum:

Ich sehe Gott überall, seit ich erkannt habe,
dass Gott doch keine Hände hat, keine Augen, keine Ohren und keine Stimme.

Außer unsere!!

Ich bin seine Hände,
seine Augen,
seine Ohren und seine Stimme,

und du, und du,
und der Postbote,
und der Arzt,
und meine Nachbarin,
und meine Katze,
und, und, und…
jeder von uns…alles…

Ich kann Gott in jedem Moment meines Lebens
meine Hände,
meine Stimme,
  meine Ohren,
meine Augen leihen,

ich kann mit anderen mit fühlen,
ich kann sie wertschätzen,
für sie sorgen,

und vor allem kann ich sie lieben:

Ich sehe in jedem eine Idee, einen Gedanken Gottes,
und ich vertraue darauf, dass Gott sich etwas dabei gedacht hat, als er diesen Menschen schuf.
Alle machen das Leben reich und bunt und wunderschön.

Der andere kann mir ein Freund sein, der andere eine Erinnerung, eine Hilfe, ein Lehrer…
Ja, es ist nicht immer schön, aber es dient mir, meiner Entwicklung, zeigt mir auf, wo ich mich selbst einsperre…Das Leben ist kein Ponyhof, es ist ein Abenteuer, bei dem man Erfahrungen macht.

Was immer du siehst,
ist ein Ausdruck Gottes,
und alles, was du anderen in Liebe tust,
ist ein Ausdruck Gottes.

Was du bist, ist Gottes Geschenk an dich,
doch was du wirst, ist dein Geschenk an Gott!

Heute hat sich dieser Gedanke in mir noch vertieft:
Es war wieder einer dieser Tage, es hat den ganzen Tag geregnet, nichts hat geklappt und ich war irgendwie unleidlich
Auch auf einer Pilgerreise, mag sie noch so voller Wunder sein, gibt es dieses Tage…
An denen man sich fragt, was das alles eigentlich soll… Warum man das alles tut… und an denen man sich so müde fühlt…

Und obwohl ich mich sicher im Leben fühle, und ich weiß, dass ich nie tiefer fallen kann als in Gottes Hand,
fühlte ich mich irgendwie allein, und doof, und…

Und so stand ich vor meinem Spiegel, schaute hinein und dachte:“ Tja, wo sind Gottes Hände jetzt?“

Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen:

Ich bin doch Gottes Hände!!!

Hier und jetzt, allein zu Haus, da waren meine Hände die Hände, die ich Gott leihen konnte, welche denn sonst?

Ich bin dann in die Küche gegangen, hab mir einen heißen Kakao gemacht und mich mit dem Heizkissen in den Sessel gekuschelt, mir schöne Dinge erzählt und es mir gut gehen lassen…Und bald war ich wieder im Frieden.

Gottes Hände und Augen und Stimme und Ohren sind immer da,
um uns herum,
in uns drin,

ich leih sie ihm gern,
zum Beispiel, um dir das hier zu erzählen,
damit er dich erinnern kann,
wie sehr er jeden von liebt,
immer,
man muss es nur sehen wollen,

unterschrift

Caleya-pellegrina

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