Stolz auf mein Land

Es gibt auf meiner Wanderung durch mein Leben immer wieder diese Moment, in denen ich verzagt stehen bleibe, und mich frage: Was soll das eigentlich alles?

Ich habe dann das Gefühl, dass ich zwar wirklich viel weiß und mir auch viele Gedanken mache, wie ich was tun will, aber am Ende eines Tages stelle ich fest, dass ich oft gescheitert bin.

Ich wollte achtsamer sein, weil ich dann so leben kann, wie ich es will, aber immer wieder komme ich in Situationen, die mich so fordern, dass ich abschalte und nur noch reagiere. Und wenn zwischen Reiz und Reaktion nicht dieser Moment des Innehaltens, der Überlegung ist, dann kommen all meine „alten“ Muster und ich handle jenseits meiner Überzeugungen.

Weil ich erschöpft bin,
will ich müde bin,
weil mich jede Anforderung aggressiv macht,
weil ich das Gefühl habe,
ich kann einfach nicht mehr…

Und allein diese Gedanken rauben mir meine Energie.

Und als ich wieder auf meiner Wanderung so verzagt da saß, und mit den Anforderungen haderte, kam ein Gedanke über mich:

Ich denke so oft über das nach, was ich nicht schaffe, aber wann denke ich daran, was ich alles geschafft habe?
Was hab ich eigentlich so geschafft?

Und ich setzte mich an einen Tisch und begann eine Liste, deren Überschrift lautet:

Was ich in den letzten zehn Jahren alles so geschafft habe

Schnell fielen mir jede Menge Dinge ein und die Liste wurde schnell immer länger… Und ich starrte auf die Liste und dachte, Wow!! Ja, ich hab jetzt eine Ahnung, warum ich so erschöpft bin!
Und: Yeah, ich kann richtig rocken!

Und als die nächste Situation kam, in der ich mich überfordert fühlte, dachte ich bei mir:

Das ist voll okay, wer das alles geschafft hat, was du geschafft hast,
hat es 1. verdient, erschöpft zu sein,
und 2. der kann auch das hier rocken!

Und wenn ich nun entscheide, etwas nicht zu machen oder jemanden nicht zu treffen, ist in mir ein Gefühl von: „Ehrlich, du hast dir Ruhe auch echt mal verdient!“

Und wenn ich mich für oder gegen etwas entscheiden soll, spüre ich, wie ich mehr zu mir und für mich einstehe, weil ich sehe, was ich alles schaffen kann…

Ich denke an meine Liste und fühle, dass ich stolz auf mich selbst bin, weil ich bewusst wahrnehme, was ich alles kann und schaffe.

Ich hatte in meiner Reichtumsecke immer ein Jahresglas, in das ich kleine Zettel tue, wenn ich für etwas dankbar bin, und am Ende des Jahres hole ich alle Zettel heraus, um mir noch mal vor Augen zu führen, was ich alles Wundervolles in diesem Jahr hatte.

Ich habe mir nun ein weiteres Glas dazu gestellt, in das ich Zettel tue, auf denen steht, was ich geschafft hab. Wo ich Ängste überwunden hab, wo ich für mich eingestanden habe, wo ich für andere da war, wo das Leben mich aufgewühlt hat, und ich gelernt, gelernt und gelernt hab und mich entwickelt hab…

Zettel, die mir am Ende dieses Jahres zeigen werden, was ich alles kann!

Es macht mich demütig, das zu lesen, denn ich weiß auch, wer mir geholfen hat, so weit zu kommen, und ich sehe auch, was ich nicht getan hab.

Oft bin ich viel zu hart zu mir selbst, und mit anderen nachsichtig, und das Bewusstsein meiner letzten 10 Jahre hat es geschafft, Mitgefühl für mich selbst zu entwickeln.

Und Mut und Selbstsicherheit. Ich weiß jetzt ganz bewusst, dass meine Flügel mich tragen, wenn der Ast unter meinen Füßen bricht. Das haben mir die letzten 10 Jahre gezeigt.

Und Vertrauen, denn ich hab gesehen, dass alles immer gut war, auch wenn ich es in den jeweiligen Situationen nicht gesehen hab, aus heutiger Sicht war es alles das Beste, was mir geschehen konnte.

Und dafür bin ich dankbar, und fühle mich geborgen im Leben.

Ich wünsche auch dir eine Liste mit all den Dinge, die du in den letzten 5, 10, keine Ahnung wie vielen, Jahren, geschafft hast,

das ist kein Wettbewerb,

nur du allein weißt, wie viel Kraft hinter einem der Sätze steckt,

und du allein kannst auch sehen, zu was du fähig bist.
Sei auch du voller Stolz auf dein Land,

denn es ist einzigartig und wunderschön,

und es kann rocken,

unterschrift

Caleya-Pellegrina
Und für die, die es interessiert und als Inspiration für deine Liste,
hier meine Liste, was ich in den letzten 10 Jahren alles geschafft hab:

– eine 10-jährige Ehe beendet, eine Scheidung erlebt,
– auf einem Arbeitsplatz gearbeitet, der eigentlich drei Arbeitsplätze war,
– 25 Liverollenspiele, groß und klein, organisiert und veranstaltet,
– zwei Vereine gegründet, und einen davon seit fünf Jahren als 1. Vorsitzende betreut,
– alles gegeben, um geliebt zu werden,
– ein Burn-Out aus eigener Kraft überwunden,
– bin umgezogen,
– hab allein erziehend meinen Sohn betreut,
– eine Besonderheit entdeckt und gelernt, damit zu leben,
– hab diverse Geburtstage und andere Veranstaltungen organisiert und zu einem Erlebnis gemacht,
– hab eine dreijährige nebenberufliche Ausbildung erfolgreich absolviert inklusive einer Bachelorarbeít,
– mich mit einer chronischen Erkrankung angefreundet und den Heilungsprozess eingeleitet,
– zweimal den Arbeitsplatz gewechselt,
– an diversen Liverollenspielen teilgenommen und dabei für andere Zelte, Geschirr und Fahrplätze organisiert,
– mich entwickelt und meine Meisterschaft angestrebt,
– meinen Reiki-Meister und meinen Reiki-Lehrer gemacht,
– diverse Reikikurse durchgeführt,
– vieles über mich gelernt,
-Freundschaften verloren und gewonnen,
– in einem Haus gewohnt, das zwei Jahre saniert wurde und es war wie Wohnen auf einer Baustelle, (während ich die Ausbildung gemacht hab),
– ein Auto kaputt gefahren und ein Neues finanzieren müssen,
– immer mit zu wenig Geld auskommen müssen,
– gehofft, verloren und bin immer wieder aufgestanden,
– jede Menge Träume begraben und neue geschaffen,
– gelernt, dem Leben zu Vertrauen und mich ihm hinzugeben,
– Gott gefunden,
– bin bis zum Aufschlag ins Dunkel gestürzt, hab alles aufgegeben und mich neu erfunden,
– einen Blog erschaffen,
– zwei Katzen in mein Haus geholt und betreut,
– Menschen beschenkt,
– mir einen Garten angelegt,
– mich meinen Ängsten gestellt und sie entmachtet,
und sicher noch vieles mehr…

Was ich nicht getan hab:

Ich war nicht einmal im Urlaub,
ich habe zu wenig Nein zu anderen gesagt,
ich habe meine Grenzen zu spät oder gar nicht gesetzt,
ich war mir selbst nur selten treu,
und ich hatte oft nur wenig bis gar keine Menschen an meiner Seite als Unterstützung,

aber ich bin noch da und ich weiß, was ich schaffen kann!
Und, wie sieht deine Liste aus?

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2 Kommentare zu Stolz auf mein Land

  1. Inge sagt:

    Du bist eine der tapfersten, taffesten und liebenswertesten Personen, die ich kennenlernen durfte. Ich bin stolz auf dich, das du deinen Weg gefunden hast und das ich dich meine Freundin nennen darf. Das ehrt mich ungemein und macht mich glücklich in meinem kleinen, unwichtigen Leben.
    Du kennst meinen Lebens- und Leidensweg, auch ich habe mit meinem Leben und meinem Schicksal gehadert. Ich brauchte sehr lange, um mich aus meinen Stricken zu befreien, habe immer noch seelische „Rückfälle“, doch die seien mir gegönnt, denn anders kann ich nicht mit dem letzten Super-Gau fertig werden.
    Für deine Beiträge danke ich von ganzem Herzen, zeigen sie mir doch immer wieder einen neuen Weg, den ich irgendwie nicht sehe, aber weiß, das er da irgendwo ist.
    Ich habe dich sehr lieb.

  2. Caleya sagt:

    Wow, Schatz, ich danke dir für deine Worte!
    Glaube nie, dass du unwichtig bist,
    wer weiß, für wen du gerade das einzige Licht in seiner Welt bist…
    In meiner Welt leuchtest du auf jeden Fall hell und warm und ich bin ebenso demütig dankbar für das Wunder, dass wir uns begegnet sind und das Wunder deiner Freundschaft <3

    Hast du dir auch eine Liste gemacht?
    Ich bin sicher, du kannst auch richtig rocken und deine Liste wird es dir zeigen!

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