Eiszeit

Heute beschäftig mich auf meiner Wanderung durch das Leben das Thema:

Stillstand.

Mir ist bewusst geworden, dass Stillstand das Einzige ist, womit ich nicht meinen Frieden finden kann.

Ja, ich brauche Zeiten der Stille, in denen ich die leise Stimme in mir hören kann, meine Gedanken prüfen und sortieren kann und mich dann wieder geklärt und mir meiner selbst bewusst in die lärmende Verwirrung der Welt stürzen kann.

Ja, ich brauche Zeiten des Alleinseins, denn nur dann kann ich herausfinden, was mir gut tut und was ich wirklich will, ohne dass mir jemand da hinein redet oder Einflüsse mich von mir selbst ablenken.

Aber das alles ist ja auch kein Stillstand…

Es gibt aber immer mal wieder diese Zeiten, in denen alles still zu stehen scheint. Ich fühle mich unwohl und hätte gern das ein oder andere anders, aber… es tut sich nix, alles bleibt scheinbar beim Alten.

Früher hat mich das um meinen Frieden gebraucht und mir viel Energie geraubt,
heute bin ich sicher, diese Zeiten sind wichtig für mich.

Ich habe dann manchmal das Empfinden einer Raupe, die im Kokon hängt. Das, was eben noch gemütlich und bequem und irgendwie auch sicher war, wird langsam zu eng. Es wird auch langweilig und ich beginne mich zu fragen, ob das alles sein soll?

Ich wünsche mir Veränderung, kann mich aber nicht entscheiden, welche.
Ich will ein anderes Leben, will aber nichts ändern.
Ich finde die Sicherheit schön, aber auch irgendwie langweilig.

Aaaargh….

Die Rune Is steht für den Stillstand, der auch eine Entwicklungszeit ist. In dem scheinbaren Nichts-passiert tut sich eine Menge, denk nur an die Pflanzen unterm Schnee und im Boden, die schon mächtig ackern und keimen und zum Licht streben.
Aber sehen tut man davon noch nix.
Es ist eben mehr.. eine innere Entwicklung…

Die Zeiten des Stillstandes in meinem Leben nenne ich deshalb Is-Zeiten.

Ich spüre die langsam drängendere Enge des Kokons der Gewohnheit, aber ich sehe noch keine Veränderung.
Erst muss mein Mut wachsen, meine Gedanken sich sammeln und Visionen entstehen, die sich, wie Samen gleich, in den Boden meines Landes legen.

Ich weiß inzwischen, diese Zeiten sind reine Nervensache.

Jetzt ist die Zeit, bei mir zu bleiben, mir Ruhe zu gönnen und mir klar zu werden, was unter dem Eis, dem Schnee meines Landes so schlummert.

Jetzt ist Geduld gefragt, jetzt steht alles still, aber ich spüre auch, dass alles in Warteposition ist.

Jetzt ist die Zeit, mir Gutes zu tun und Kraft zu sammeln für stürmischere Zeiten.

Alles wartet auf den Moment,
den Moment, in dem ich mich gefunden hab,
in dem meine Ziele wieder klarer werden,
indem das Eis bricht,
der Schnee taut,
in dem der Frühling in mein Land kommt.

Und dann, scheinbar wie aus dem Nichts, passiert eine Menge:
Dinge verändern sich,
neue Angebote,
neue Möglichkeiten,
neue Menschen tauchen auf,
und mein Leben wird unruhig, verwirrend, fremd.

Das Eis ist geschmolzen, die Samen keimen, die ersehnte Veränderung geht ihren Weg.
Jetzt würde ich mir fast ein bisschen Ruhe wünschen, doch nun findet meine Wanderung auf einem turbulenten Weg statt.

Mich tröstet, dass ich gerade Kraft gesammelt habe,
dass dieser Weg meinen Gedanken, Wünschen folgt,
dass der Kokon geplatzt ist und das nächste Abenteuer wartet…

Stillstand ist nicht, wenn sich nichts tut,

sondern wenn ich stehen bleibe,

Veränderungen ablehne oder gar bekämpfe

und mich am Alten festklammere.

Das wäre nichts für mich,

Eiszeiten hingegen sind wichtig und ich nehme mir inzwischen richtig Zeit für sie,
denn in dieser Zeit zeichne ich die Karte für meinen weiteren Weg.

Dazu muss ich nichts tun, nur Ruhe geben und geduldig sein und mir selbst vertrauen,

Denn selbst wenn man nichts tut,
das Gras wächst weiter
und es kommt immer ein neuer Frühling.

Auf die Eiszeiten,
denen immer ein Frühling folgt,

mögest auch du Veränderungen lieben lernen,
ohne sie wären wir morgen noch dort, wo wir heute standen,
lass uns uns fortbewegen,
durchs Leben wandern,
und so unser eigenes Land entdecken,

unterschrift

Caleya-pellegrina

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