In dieser Einsamkeit…

Es gibt viele Tage, da wandere ich allein. Und es gefällt mir, meistens jeden Falls.

An anderen Tagen hadere ich damit, und ich baue Widerstand auf.
Ich merke das, und ärgere mich dazu dann noch über mich selbst.
Keine gute Mischung , gerade in dieser dunklen nebeligen Zeit…

Ich weiß, ich brauche die Ruhe, und jedes Nein, dass ich Freunden sage, ist ein Ja zu mir und meinen Bedürfnissen. Naja, ich würde auch gern mal mit anderen lachen und schöne Dinge machen, aber ich muss meine Situation anerkennen: Es ist anstrengend und ich habe im Moment nicht die Kraft dazu.
Dann kommt die Angst, Freunde zu verlieren,
die Angst, nicht gemocht zu werden, wie ich bin,
die Angst vor dem Alleinsein.

Jetzt muss ich aufgeben, denn sonst beraube ich mich noch mehr meiner Kräfte, die doch gerade erst mühsam wieder erstarken.

Atmen, Caleya!
Ich vertraue dem Leben, ich werde wieder in meine Kraft kommen, aber – nicht jetzt!

Jetzt würde jede Kraftanstrengung den gerade gewonnen Zuwachs wieder vernichten und am Ende noch mehr fordern, als ich habe.

Jetzt muss ich die Situation hinnehmen, wie sie ist.

Ich brauche Ruhe, um in meine Kraft zu kommen.
Ich brauche Zeit, und meine Aufmerksamkeit muss mir gelten.

Ich genieße es, im Bett zu liegen und den Wolken hinterher zu schauen, nichts zu tun, einfach zu sein.
Meine Kätzchen liegen bei mir und schnurren und ehrlich, wenn ich eine Katze wär, würde ich auch schnurren, denn es ist behaglich und fordert nichts von mir, was ich nicht habe…

In solchen Zeiten, die eine tiefe Wanderung nach Innen bedeuten, verändere ich mein Land.
Ich finde Täler und schaue mir an, wie sie entstanden sind. Und ich fülle sie, kümmere mich um mich und meine Bedürfnisse.

Diese Zeiten tun mir gut.

Ich verändere mich, und werde denen, die ich eh nur selten sehe, fremd. Und sie mir.
Ich muss tief atmen, damit die Angst fern bleibt, meine Freunde zu verlieren.

Das Leben ist Veränderung, man kann nichts und niemanden festhalten.
Ja, ich verändere mich, und fühle mich fremd.

Aber vielleicht gar nicht, weil meine Freunde nicht mehr zu mir „passen“,
sondern, weil ich nicht mehr in mein altes Leben passe.

Ich habe mich entwickelt, bin neu und ich habe vieles gewonnen, Erfahrung, Kraft, Einsichten.

Jetzt alte Strukturen wieder aufzunehmen, würde bedeuten, in der Vergangenheit zu leben.
Jetzt ist alles neu, spannend, ein Abenteuer.

Jetzt die Erwartungen von Freunden wieder erfüllen zu wollen, die in mir ja noch „den alten“ Menschen sehen, hieße, mich einer Schablone anzupassen, die nicht mehr passt.

Nein, das macht keinen Sinn.

Ich bin ich, und ich bin gut, so wie ich bin.

Es hat mich viel, vielleicht sogar zu viel, Kraft gekostet,
hier hin zu kommen, ich will auf keinen Fall zurück.

Jetzt und Hier muss ich mich entscheiden, was mir wichtig ist:

Geliebt werden um jeden Preis

oder

Ich selbst zu sein

Hier, in dieser Einsamkeit, entscheidet sich mein Leben:

Werde ich mich verbiegen, damit meine Freunde mich noch mögen
oder
werde ich mir selbst treu bleiben?

Ich habe schon so oft vor dieser Entscheidung gestanden und ich habe mich auch schon oft gegen mich selbst entschieden. Und gerade das hat mich hier her, in die Kraftlosigkeit, gebracht.
Diesmal entscheide ich mich für mich:

Ich werde mir selbst treu sein!

Das heißt ja nicht, dass ich meine Freunde verlieren werden,
es heißt, dass unserer Freundschaft sich verändern muss, so, wie wir uns verändert haben.

Sie kann mit uns mit wachsen, größer, und schöner werden, so wie wir auch,
oder sie endet, weil sie nicht mehr passt.

Beides ist gut,

ein Gewinn,

ich gewinne einen wahren Freund
oder
ich sehe eine Wahrheit.

Ich kann nur Kräfteraub und Illusionen verlieren, was auch ein Gewinn wäre.

Und ich weiß, dir, mein Freund, geht es oft genauso.

Doch wenn wir beide unser Freundschaft wertschätzen, dann werden wir Wege finden, sie neu zu beleben, neue Verbindungen und Impulse finden. Wir werden neue Abenteuer erfinden, mehr Brücken bauen, alte reparieren und neue Kontinente entdecken. Wir werden im gemeinsamen Tun Freude und Kraft finden und uns gegenseitig beschenken, mit Zeit, Aufmerksamkeit und auch mal Trost. Wie schön 🙂

Und wenn wir das nicht tun, dann möchte ich hier für die schöne Zeit der gemeinsamen Wanderung danken! Es war mir eine Ehre, für eine Weile dein Wandergefährte zu sein, ich werde nie vergessen, was du für mich warst und getan hast. Egal, wohin wir gehen, ein Stück von meinem Herzen wird immer dir gehören. Ich wünsche dir eine gute Reise.

Der einzige Mensch in meinem Leben, der immer bei mir bleibt, bin ich selbst.
Und ich muss immer bei mir bleiben,
denn wenn ich mich verliere, verliere ich meine Welt.

Und wenn ich mich in der Welt fremd fühle, bedeutet das nichts anderes,
als dass ich dabei bin, mich selbst zu entdecken und zu finden.

Ich kann meine ganz eigenen Wege nur in dieser Einsamkeit finden, denn hier hat niemand Einfluss, nur ich. Ich bin mein Retter, meine Quelle, meine Inspiration und mein Beschützer.

Ich entdecke, was ich alles kann und bin,
hier, in dieser Einsamkeit,
wächst aus meinen Gedanken und Taten mein Charakter,
mein Leben.

Ich wünsche dir den Mut,
in deine Einsamkeit wandern zu können,
denn dort ist dein Leben,
mein Freund,

Danke für diese gemeinsame Wanderung,

unterschrift

Caleya-pellegrina

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