Ich gehe meinen Weg in voller Kraft

Ich kann nur dann pilgern und wandern, wenn ich genügend Kraft für all die Anforderungen körperlicher und seelischer Art habe, die mir begegnen.
Wenn es mir an Kraft fehlt, werde ich unaufmerksam, ungeduldig, unleidlich und am Ende sogar krank.

Ich muss also in meinem Land meine eigene Kraft finden,
was bedeutet das?

Meine eigene Kraft sagt mir schon mal klar, dass das wieder ein ganz spezieller Weg wird, den nur ich finden kann.
Ich kann andere fragen, wie sie das machen und ihre Ideen ausprobieren, aber ich weiß, am Ende wird es wieder mein Weg sein, mein ganz eigener Weg.

Da kommt mir zuerst die Frage auf, was ist meine Kraft? Wo kommt sie her?
Um diesen Ort in mir finden zu können, muss ich eine wage Vorstellung haben, wo ich hin will…

Kraft,
ist für mich das Gefühl, ganz und gar ich selbst sein zu können.
Es ist nichts da, was mich einschränkt,
und ich lebe jeden Moment so, dass es wirklich zutiefst mein Leben ist.
Dann bin ich voller Freude,
frei von allem,
dann fühl ich mich wahrhaftig und lebendig!
Voller Kraft!

Da kommt in mir die Vorstellung von Ruhe, in sich ruhen,
von Frieden in mir,
auf das ich mich nicht wehre gegen das, was ist, sondern annehme,
was gerade passiert, ohne es zu werten.
Und somit keine Kräfte vergeude für sinnlose Kämpfe.

Aber ich denke auch an Kraftreserven, die ich brauche für die Tage, an denen ich mehr belastet bin als an anderen Tage.

Wie viel Kraft ich habe, hat also auch was mit dem Maß zu tun, in dem ich Kraft ausgebe.

Und ich muss meinen Körper befähigen, Kraft ausüben zu können, indem ich für ihn sorge und ihn gut nähre.

Woher kommt meine Kraft?

Es gibt in mir keine unerschöpfliche Quelle, so gern ich das auch hätte, ich muss selber dafür sorgen, dass Kraft da ist und ich muss dafür sorgen, dass ich nicht mehr ausgebe, als ich zur Verfügung habe.

Das ist meine ganz persönliche Stolperfalle auf diesem Weg, ich geh gern und leicht über meine Grenzen. Beim ersten Mal kein Problem, auch beim fünften Mal nicht, aber dann, immer mehr, spüre ich, dass nicht so viel Kraft nachkommt, wie ich verbrauche.

Ich werde zunehmend kraftloser und kraftloser.

Weil ich nicht auf mich achte,
nicht für mich sorge, sondern Ideen und Menschen hinterher laufe,
die eigentlich doch nicht so wichtig für mich sind wie ich selbst!

Wie viel Kraft ich habe, hängt also viel davon ab,
was ich mit meiner Kraft tue
und wofür ich sie einsetze.

Dazu fällt mir der Text von Bernhard von Clairveux ein:

Schale der Liebe

Wenn Du vernünftig bist,
erweise Dich als Schale
und nicht als Kanal,
der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt,

während die Schale wartet bis sie gefüllt ist.

Auf diese Weise gibt sie das,
was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter.

Lerne auch Du, nur aus der Fülle auszugießen und habe nicht den Wunsch,
freigiebiger zu sein als Gott.

Die Schale ahmt die Quelle nach.
Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss,
wird sie zur See.

Du, tue das Gleiche!
Zuerst anfüllen und dann ausgießen.
Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen,
nicht auszuströmen.

Ich möchte nicht reich werden, wenn Du dabei leer wirst.
Wenn Du mit Dir selbst schlecht umgehst, wem bist Du dann gut ?

Wenn Du kannst – hilf mir aus Deiner Fülle,
wenn nicht – dann schone Dich.

Aus einem Brief von Bernhard von Clairvaux (1090 – 1153)

Und da habe ich alle meine Antworten:

Um Kraft zu finden,
muss ich die Fülle in meinem Land entdecken und fördern,
ich muss erkennen, was ich wirklich will und was mir gut tut,
ich muss Abhängigkeiten, Krafträuber enttarnen,
ich muss mich schonen, um Kraft entwickeln zu können
und ich muss haushalten, wie jeder Staat mit seinem Haushalt,
hier funktioniert Schulden machen nur begrenzt.

Wie soll ich den Weg zu meiner Kraftquelle finden?

Ich denke,
ich finde ihn nur tief in mir selbst,
in der leuchtenden Stille,
an meinem geheimen Ort,
dort bin ich,
ganz ehrlich und frei.

Indem ich mich auf mich besinne,
ganz und gar ich bin!

Dann kann ich aus mir selbst die Kraft schöpfen,
aus dem freudvollen Tun,
indem ich meinem Herzen folge,
und die Dinge in meinem Tempo mache,
indem ich Dinge tue, bei denen ich mich lebendig fühle,
und damit mir und dem Leben die Zeit lasse,
meine Schale zu füllen.

Mögest auch du eine Schale sein,

unterschrift

Caleya-pellegrina

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