ohne jede Scham

Ich war jetzt eine Zeitlang nicht hier…

Ich war sozusagen unterwegs, bin viel in mir und durch meine innere Welt gewandert. Ich habe viel erlebt und muss das alles noch sortieren und in Worte fassen, um es dir, lieber Pilgergefährte, vorstellen zu können… Aber ich bin zurück und stelle dir erstmal ein paar Artikel vor, die ich schon vor längerer Zeit schrieb, was sie nicht weniger wichtig oder aktuell macht.

Hier der erste davon:

Ich habe mich in letzter Zeit viel mit dem Thema: Scham
beschäftigt, und das hat mein Leben sehr nachhaltig positiv beeinflusst.

(Wer das auch spannend findet, ich gebe im Anhang unter diesen Artikel dazu eine wundervolle Buchempfehlung).

Wie oft im Leben steht man in einer Situation oder denkt über eine vergangene nach, und fühlt, wie die Welle des Schames einen überrollt:

– Ich habe Dinge getan oder gesagt, die ich nicht sagen/tun wollte,
– ich habe nachlässig gehandelt,
– ich habe andere durch Unachtsamkeit verletzt,

und nun breitet sich in mir dieses Gefühl des Ungenügens aus:

ich bin falsch,
ich muss mich ändern,
ich bin fehlerhaft, unvollkommen,
ich sollte so nicht sein…

Das ist Scham:
Das Gefühl, ungenügend zu sein.

In meiner Welt ist nun so, dass alles, was mir geschieht, eine Gelegenheit zum Wachsen ist:

Wenn ich traurig bin, beginnt Heilung,
wenn ich wütend bin, wird Energie frei, die ich nutzen kann,
wenn ich verletzend bin, lerne ich etwas über meine und andere Grenzen,
wenn ich Fehler mache, lerne ich, was ich anders machen will,

so hat eben alles seinen Sinn, und alles ist mein Helfer.

Nur die Scham ist tatsächlich ohne Sinn.
Forscher haben es immer wieder geprüft und es bestätigt:

Wer sich schämt, macht sich selbst klein,
raubt sich Energie und beschädigt nachhaltig das eigene Selbstwertgefühl.
Und alles, was man lernt, ist, dass man schlecht ist…

Das alles nützt mir gar nichts, bringt mich nicht weiter, verändert mein Leben nur zum Negativen.

Scham ist die einzige Empfindung, die nachweislich nur negative Folgen für uns hat. Sie ist ein Konstrukt, das gerade in Erziehung gern genutzt wird,
denn sie macht klein, machtlos, anpassungswillig.

Aber aus solchen anpassungswilligen und damit (von der Meinung anderer) abhängigen Kindern werden keine freien mündigen Erwachsenen. Diese Kinder werden sich immer ungenügend finden und dadurch offen für jede Form der Manipulation sein, da man ihnen nur erzählen muss, dass es sie besser, würdiger macht, etwas zu tun.

Scham sollte verboten werden 😉

Okay, sagst du jetzt, „ aber wenn man doch einen Fehler gemacht hat, was falsch gemacht hat, was soll man denn dann tun?“

Nein, man soll jetzt nicht nichts tun, sondern sich folgendes bewusst machen:

Scham bedeutet: „Ich bin ungenügend, ich muss verbessert werden!“

Verantwortung bedeutet: “Ich habe etwas falsch gemacht, ich will es wieder gut machen!“
Es bedeutet, ja, ich trage die Verantwortung, ja, ich muss mich kümmern,
aber nein, ich bin gut, wie ich bin,

ich habe einen Fehler gemacht, aber!!! Ich bin nicht fehlerhaft!!!

Nur, weil man einmal etwas falsch macht, ist man nicht falsch!!

Nein, ich übernehme, trage die Verantwortung!
ist hilfreich und heilsam.

Das ist ein eklatanter Unterschied,
und es ist der Weg in die innere Freiheit:

Ich sorge für meine Fehler, und ich lerne sogar viel aus solchen Situationen!
Ich habe den Mut, Fehler zu machen, denn Fehler machen schädigt nicht mein Selbstwertgefühl, (weil ich mich nicht schäme, sondern zu meiner Verantwortung stehe) und damit zeige ich mich wahrhaftig.

Das macht anderen Mut, auch zu ihren Fehlern zu stehen.
Wir machen alle Fehler, und das macht uns menschlich.
Welch ein schöner, verbindender Moment, wenn jemand dich mag, obwohl du Fehler gemacht hast!!!
Das alles kann geschehen, wenn Fehler machen zu dem Gefühl der Verantwortung führt, nicht in die Scham…

Wir haben alle gelernt, uns zu schämen, und nun müssen wir lernen, damit aufzuhören!

Mir hilft es, mir jedes Mal bewusst zu machen, wie sehr das Gefühl der Scham mich und mein Leben behindert und schädigt.
Natürlich tappe ich immer noch gern in die Schamfalle, aber ich erkenne sie immer schneller, und krabbel dann wieder raus:

Mir ist klar geworden, dass das Gegenteil von Mangel nicht Reichtum,
sondern Vollkommenheit ist!

Wenn Gott gewollt hätte, dass ich anders bin, hätte er mich anders gemacht!

Ich bin genauso richtig, wie ich bin,
mit all meinen Macken!

Wenn wir alle Menschen, alle Situationen als vollkommen betrachten, dann werten wir nicht mehr, wollen nicht mehr andere verändern, sondern beginnen mit der Suche nach Lösungen, nach neuen Wegen, nach Brücken, die uns verbinden.

Das Gefühl des Schams führt uns in den Mangel, die Einsamkeit, weg von uns selbst…

Das Gefühl der Verantwortung führt in die Freiheit!

Scham-los leben kann man lernen, man muss es regelrecht trainieren,
man nennt das: Schamresilenz aufbauen.

Das bedeutet, Widerstandkräfte gegen die sinnlose Scham zu entwickeln, und sie immer mehr aus dem eigenen Leben verbannen,
das geht, ist sogar recht einfach (was nicht leicht heißt!),

und führt in die Freiheit, das zu leben, was man ist,
ohne Maske,
ohne Angst,
voller Lebendigkeit und Mut und Atemlosigkeit,

*
ich wünsche dir den Mut, der Scham ein Ende zu setzen,
auf das wir alle frei unser Licht leben können,
komm mit in die Freiheit!

unterschrift

Caleya-pellegrina
***
Ich bin durch das wundervolle Buch von Brene Brown: „Die Gabe der Unvollkommenheit“ auf das Thema gekommen.

Die Schamforscherin Brene Brown beschreibt in diesem Buch die Mechanismen, die Scham benutzt, um uns klein zu halten und zeigt Wege, wie man schamresilent wird.
Sie beschreibt das alles sehr persönlich, offen und unmittelbar zum Nachmachen. Mein Leben hat sie mit diesem Buch (und ihren anderen) sehr nachhaltig verbessert,
ich kann es jedem empfehlen, sich mit der Scham zu beschäftigen.
Danke, Brene, für deinen Mut und deine Fröhlichkeit 

Ich hab auch ein Video auf Youtube dazu gesehen, in dem Brene ihre Geschichte erzählt, ich weiß nur nicht sicher, dass es noch existiert: Einfach mal danach suchen…

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